Das Koi-Design: Inspiration und Idee

Stefan Imhoff

Die Idee für das Design dieser neuen Website schwirrte schon länger in meinem Kopf herum. Nur wollte sie irgendwie nicht in die physische Welt überwechseln. Als Inspiration habe ich die Kunst der japanischen Tätowierung verwendet – Irezumi.

Irezumi – Die japanische Tätowierung

Tätowierungen sind eine Kunst, die im wahrsten Sinne des Wortes vergänglich sind, da mit dem Träger auch das Kunstwerk verschwindet, sobald er stirbt. Dies passt aber auch gut zum Begriff der fließenden Welt, einem Zeichen für die Vergänglichkeit im Buddhismus. Auch im Sinnbild der Samurai, in der Kirschblüte, kann man die Vergänglichkeit des Seins nach kurzer Dauer eines perfekten Lebens sehen.

Diese Kunstwerke sind extrem schmerzhaft (dutzende Bambusnadeln werden mehrmals pro Sekunde in die Haut gestochen), langwierig (Von einigen Monaten bis zu mehreren Jahren) und teuer (ab 20.000 €). Das ist auch der Grund, wieso ich sie zwar gerne ansehe, aber selber wohl nie eines tragen werde.

Einer der besten, lebenden Künstler des Irezumi ist Horiyoshi III, dessen Werke man in einigen Bildbänden betrachten kann (Tattoos from the Floating World: Ukiyo-e Motifs in Japanese Tattoo und Bushido: Legacies of the Japanese Tattoo).

Im Irezumi werden nicht wahllos irgendwelche Dinge auf den Körper tätowiert, die Bilder haben eine tiefe Bedeutung für den Träger und erfordern Fachwissen über Religion, Geschichte und Mythen aus China und Japan. Das ist auch der Grund, weshalb man oft schlechte Kopien und pseudo-japanische Tätowierungen in westlichen Tätowierstudios angeboten bekommt. Diesen Tätowierern fehlt meist dieses Hintergrundwissen.

Yakuza

Am bekanntesten ist die Tätowierung durch ihre bedeutensten Träger – die Mitglieder der japanischen Verbrecherorganisation Yakuza – geworden, doch werden Irezumi heute auch von Geschäftsmännern und sogar Hausfrauen getragen.

Die Verbindungen zur japanischen Kunst des Ukiyo-e (Holzschnitt) sind fließend und die Motive sind oft die gleichen.

Motive

Neben Göttern, Fabelwesen und Dämonen ist die wichtigste Quelle für Motive die alte chinesische Novelle Shuǐhǔ Zhuàn (Wasserufergeschichte), in Japan als Suikoden bekannt. Sie gehört zu einem der vier klassischen Bücher der chinesischen Literatur. Die deutsche Übersetzung dieses sehr unterhaltsamen Buches heißt Die Räuber vom Liang Schan Moor.

Die Räuber vom Liang-Shan Moor

Hauptmann Lu-Ta, der Blumenmönch
Motiv aus dem Suikoden von Kunyoshi: Hauptmann Lu-Ta, der Blumenmönch, zerschlägt einen Baum mit einem Hieb, um eine Bande von Taugenichtsen zu beeindrucken.

Kurz zusammengefasst geht es um eine Räuberbande von 108 heldenhaften Männern und Frauen, die jeder durch widrige Umstände zum gesetzlosen Leben gezwungen werden, und sich im Liang-Shan Moor auf einer befestigten Insel verschanzen, von wo aus sie jahrelang im großen Stil auf Raubzug gehen. Dabei kämpfen sie gegen korrupte Beamte des Kaisers und zahlreiche Schurken. Die Geschichte ist zu Teilen wahr und soll in der Song Dynastie stattgefunden haben.

Das Abenteuer ist im Taschenbuchformat erhältlich und sehr unterhaltsam – auch für Kinder – obwohl die eine oder andere Stelle vielleicht ein bisschen böser und grausamer als beim Räuber Hotzenplotz ist.

Bedeutung des Motivs

Das Motiv, das ich für mein Design gewählt habe zeigt einen Koi (Karpfen), der versucht die schweren Stromschnellen der Longmen Wasserfälle hinaufzuschwimmen.

Der Legende nach verwandelt sich ein Koi, dem es gelingt die magischen Wasserfälle hinaufzuschwimmen, in einen Drachen. Nach weiteren 500 Jahren verwandelt er sich dann in einen gehörnten Drachen und nach 1000 Jahren in einen geflügelten. Somit müsste das nächste Design wohl einen Drachen zeigen. Naja, mal sehen…

Design: Digitales Irezumi
Koi beim Hinaufschwimmen der Longmen Wassefälle. Es enthält typische Elemente wie Blätter, Blüten und Wellenkämme.

Die schwierigste Entscheidung bei meinem Design war, wie viel Tätowierung auf der Seite zu sehen sein soll. Während die echte japanische Tätowierung von der Fläche lebt, und bis auf Füße, Hände und einen kleinen Bereich vorne nichts frei lässt, hätte eine derart große Fläche die Seite zu unruhig gemacht und zu sehr vom Inhalt abgelenkt. Dazu kam noch erschwerend hinzu, dass es eigentlich kein wirkliches Ende bei einem solchen Werk gibt. Im Internet muss man seine Fläche aber irgendwie begrenzen.

Ich hoffe trotzdem, dass es mir gelungen ist die Anmutung eines Irezumi digital festzuhalten.

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