2010 – ein Jahresrückblick

Stefan Imhoff

Und wieder ist ein Jahr fast vorbei, mein jährlicher Blick in Google History steht an.

Hier also die Begriffe des Jahres, die mich am meisten beschäftigt haben (unsortiert):

Django war auch dieses Jahr ein wichtigter Begriff, ebenso pip, virtualenv und virtualenvwrapper. Ich habe angefangen, am Relaunch dieser Website zu arbeiten und South für Daten- und Schemamigration zu verwenden, sowie Pygments für die Code-Colorierung.

Ich habe aber ebenso wieder einen Blick auf Ruby on Rails 3 geworfen und muss sagen, mir gefällt, was ich da sehe. Ich werde mich definitiv wieder mit Rails beschäftigen, da sich dort eine Menge getan hat, seit ich das letzte mal mit Rails gearbeitet habe.

Die Arbeit mit Git macht auch jetzt immer noch Spass, viel Neues habe ich nicht gelernt, aber trotzdem waren Git- und Redmine-Suchtreffer häufig vertreten.

Dieses Jahr habe ich auch von Homebrew erfahren, mit dem leicht Unix-Pakete installieren kann. Alle anderen Paketmanager für Mac OS X, die ich vorher getestet habe, hatten Ansätze, die mir nicht gefielen. Ich möchte meine Installationen an Standardorten liegen haben (oder einen symbolischen Link vom Standardort) und nicht ein zweiten System irgendwo unter /opt/ aufbauen.

Mitte des Jahres habe ich Safari als Standard-Surfbrowser durch Google Chrome ausgewechselt. Die Geschwindigkeit, Integration der Google-Suche in die URL-Zeile, schicke Erweiterungen und Synchronisation aller Browserdaten über mehrere Computer haben die Entscheidung leicht gemacht.

Eine einzige Sache ärgert mich nur an Google Chrome: der Browser bietet keinen Text-Zoom. Ich weiß, dass sich dieser Trend langsam durchsetzt, und auch Firefox hat Text-Zoom schon nicht mehr als Standardeinstellung, aber ich begreifen es einfach nicht. Reiner Zoom ist lächerlich, überflüssig und dumm, und ich wünschte die Entwickler würden dann ebenfalls begreifen. Zum einen möchte ich, wenn mir die Schrift zu klein ist, nicht alles zoomen, nur um dann scrollen zu müssen und Bilder verpixelt und unscharf zu sehen. Außerdem bietet mir mein Betriebssystem diese Funktion schon von Haus aus. Wenn ich etwas pixelgenau heranzoomen möchte, nehme ich diese Funktion. Der einzige Grund im Internet überhaupt etwas zu vergrößern, ist fehlende Usability von Websites, also zu kleiner Text.

2010 war auch das Jahr, in dem jQuery alle anderen Frameworks meilenweit hinter sich gelassen hat und zum Marktführer wurde. Zwar hatte sich der Trend schon 2009 abgezeichnet, aber in 2010 vergrößerte sich der Abstand zwischen allen Mitbewerbern und jQuery noch einmal dramatisch. Daher habe ich meinen Fokus auch auf jQuery gesetzt und viele, schicke Dinge gelernt, die ich bei den Websites meiner Kunden verwenden konnte. Meine frühere Skepsis gegenüber JavaScript ist jetzt vollständig überwunden und meine nächste Website wird Ajax und jQuery in größerem Umfang verwenden.

Ich bin in 2010 auf Zen Coding umgestiegen und schreibe jetzt mein Markup und CSS komplett mit dieser Syntax, ein wirklicher Geschwindigkeitsboom. Außerdem habe ich angefangen mir HAML, SASS/SCSS und Compass anzusehen, um zukünftig besseres CSS schreiben zu können.

Zum Ende des Jahres habe ich mich noch überzeugen lassen, dass Photoshop einfach das falsche Werkzeug für Webdesign ist, und mir angesehen, wie gut Fireworks dafür geeignet ist. Zwar brauche ich beruflich am Januar keine Layouts mehr zu erstellen, aber das Layout meines nächsten Relaunch werde ich mit Fireworks gestalten.

2010 war auch das Jahr, in dem ich nach 7-jähiger Abstinenz wieder damit begonnen habe, das eine oder andere Computerspiel zu spielen. So habe ich mir The Secret of Monkey Island und Monkey Island 2: LeChuck’s Revenge für iOS gekauft und voller Freude meine Jugenderinnerungen an diese fantatischen Spiele wieder aufleben lassen. Und ich habe mir StarCraft II für Mac OS X gekauft, das mit Abstand coolste Spiel seit langem. Selbstverständlich habe ich aber als Gelegenheits- und Wochenendspieler kaum eine Chance gegen Spieler zu gewinnen, die 1000 oder mehr Spiele hinter sich haben. Trotzdem macht StarCraft II unheimlichen Spaß und ich habe in 2010 die eine oder andere Stunde damit verbracht.

Mein absolutes Highlight von 2010 war aber Vim (genauer MacVim). Erst im September habe ich mich entschlossen, mir Vim näher anzusehen, und jetzt im Dezember vermisse ich TextMate – mit dem ich seit über 5 Jahren arbeite – nicht mehr im geringsten. Vim ist nicht nur kostenlos und schon viele Jahre alt, es ist auch unglaublich schnell, anpassungsfähig und mächtig und läuft schick in einer grafischen Oberfläche wie auch auf dem Server gleichermaßen. Und um einmal ehrlich zu sein, wirkt jeder Editor (vielleicht mit Ausnahme von Emacs) gegen Vim wie ein lächerliches Kinderspielzeug – auch TextMate.

Ich habe Vim mit 35 Plugins ausgestattet, meine Konfigurationsdatei hat 1047 Zeilen (inklusive Kommentaren), ich verwende das gleiche Theme wie bei TextMate (diese lassen sich einfach konvertieren) und konnte 100 % meiner täglichen Arbeit mit TextMate reproduzieren oder durch bessere Arbeitsweisen ersetzen.

Das der Umstieg so leicht von Statten ging und auch noch wahnsinnigen Spaß gemacht hat, verdanke ich den fantastischen Screencasts von Derek Wyatt.

Vim zieht seine wirklich Macht aus den verschiedenen Modi (Normal, Insert, Replace, Visual, …). Es gibt sogar drei verschiedene visuelle Modi. Es ist für den Anfang wichtig die Grundlagen zu lernen, also die Bewegungs- und Bearbeitungsbefehle. Das Beste ist dabei, die schlechten Angewohnheiten der anderen Editoren (soweit das noch geht) vollständig zu vergessen. In Vim tippt man nicht mehr wie ein gestörter auf den Pfeiltasten herum, sondern lässt die Finger schön dort, wo sie hingehören. Irgendwo habe ich ein Zitat gelesen, das Vim mit der Arbeit eines Chirurgen vergleicht – zu Recht. Der Text oder Code wird punktgenau anvisiert und bearbeitet. Wer die Maus benutzt, macht etwas falsch; wer Zeichenweise oder Zeilenweise durch die Datei navigiert, macht etwas falsch; wer öfter im Eingabemodus ist, als im normalen Modus, macht etwas falsch. Ich rate wirklich jedem Programmierer, Webdesigner oder Autoren sich Vim anzusehen.

Wenn die Grundlagen gelernt sind kann man sich den Erweiterungen und der Anpassung von Vim widmen. Während der Umstellung (die bei mir vielleicht 2 oder 3 Wochen gedauert hat), war ich etwas langsamer als vorher mit TextMate. Doch das ändert sich schnell und nach kurzer Zeit habe ich TextMate meilenweit abgehängt.

Natürlich lässt sich mit Vim fast jede Sprache oder Syntax hinzufügen, so habe ich z. B. für JSON, Django, HTML5, jQuery, reStructuredText, Textile, HAML, JavaScript, Markdown, Rails und Ruby Syntax-Dateien hinzugefügt, die alle Regeln der jeweiligen Sprache enthalten, und die Syntax auch korrekt einfärben.

Zusätzlich kann ich die folgenden Erweiterungen besonders empfehlen:

  • AutoClose: Fügt die passenden Klammern, Gänsefüßchen und andere Zeichen ein. Viele Editoren bieten diese Funktion natürlich schon von Anfang an, aber ich schalte in Vim je nach Bedarf um.
  • EasyGrep: Ermöglicht es auf einfache Weise über viele Dateien zu suchen und zu ersetzen.
  • VisIncr: Mit VisIncr lassen sich Spalten mit Zahlen, Daten oder Tagesnamen erhöhen und verringern. Das einfache Rechnen geht übrigens schon von Haus aus mit Vim. Es lassen sich ohne Probleme Zahlen in beliebiger Anzahl von Zeilen um beliebige Werte erhöhen oder verringern.
  • Command-T: Wincent Colaiuta vermisste nach seinem Wechsel von TextMate zu Vim die Funktion Go to File, mit der durch die Eingabe weniger Buchstaben aus vielen Dateien gefiltert werden kann und ein direkter Sprung zu einer Datei möglich ist. Also programmierte er Command-T, das diese Funktionalität zu Vim bringt.
  • Gundo: Gundo ermöglicht einen leichten Zugriff auf die History von Vim. So kann schnell und sogar ohne Versionskontrolle ein Baum der letzten Änderungen angesehen und wiederhergestellt werden.
  • hexHighlight.vim: Praktisch für die CSS-Entwicklung ist diese Erweiterung, die alle Hex-Farben durch eine Farbfläche ersetzt. So kann schnell visuell nach Farben gesucht werden.
  • jslint.vim: Ein praktisches Plugin, das JSLint verwendet, um Fehler und Verbesserungen im JavaScript anzuzeigen. Dies geschiet automatisch während des Tippens. Die Vorschläge werden unten in der Vim-Kommandozeile angezeigt.
  • mru.vim: Dieses Plugin hält eine Liste der Most Recently Used (MRU) Dateien, um schnell die letzten Dateien wieder öffnen zu können.
  • The NERD tree: Ein Datei-Explorer, wie man ihn von TextMate kennt, um durch Dateien und Ordner zu navigieren. Er hat sehr viele praktische Funktionen. Doch seit ich die Buffer und Splits von Vim kenne benötige ich eine Seitenleiste eigentlich so gut wie gar nicht mehr.
  • snipMate: Eine von ca. drei Erweiterungen, die die Snippet-Funktionalität, wie man sie von TextMate kennt zu Vim portiert. Funktioniert fast genauso und ist sehr zu empfehlen, besonders für TextMate-Umsteiger (wie mich), die ohne Snippets nicht mehr arbeiten möchten.
  • sparkup: Dieses Plugin ist eine Portierung von Zen Coding für Vim. So lässt sich komplexes Markup in kurzer Zeit erzeugen.
  • tComment: Mit tCommend lassen sich Worte, Zeilen oder Wortblöcke schnell ein- oder auskommentieren.
  • surround: Dieses äußerst nützliche Plugin ermöglicht es, Klammern, Tags, Satzzeichen und viele Dinge mehr um Worte, Zeilen, Abstätze, Blöcke etc. hinzuzufügen, zu ändern oder zu löschen – und das mit wenigen Befehlen. Äußerst praktisch!

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