Buchtipp: Decodeunicode

Stefan Imhoff

Durch Zufall bin ich kürzlich auf ein Buch gestoßen, dass für alle an Typographie und Zeichen interessierten ein Kauftipp ist. Das Buch ist 656 Seiten stark, enthält alle derzeitigen 109.242 digitalen Schriftzeichen des Unicode-Zeichensatzes und wiegt fast 2 Kilogramm.

decodeunicode – Die Schriftzeichen der Welt

Mit Unicode bin ich sehr früh in Kontakt gekommen, da ich die japanische Sprache überaus liebe. Als ich meine Kampfkunst-Website kogakure.de 2000 zum zweiten Mal neu gestaltete, hatte ich ein Lexikon mit japanischen Kampfkunst-Begriffen eingeführt und noch auf Grafiken für die japanischen Zeichen gesetzt. Dies war aber nicht zu warten und so habe ich bereits 2002 eine neue Version meines Lexikons mit Unicode veröffentlicht. Zu dieser Zeit war die Verbreitung von Unicode zwar noch irgendwo zwischen 0 und 1 %, doch ich bin trotzt einiger Proteste meiner Besucher dabei geblieben. Jeder der die Zeichen sehen wollte war gezwungen, sich von der Windows-CD den optionalen Zeichensatz zu installieren. Heute sind nach einer Auswertung von Google fast 50 % aller Websites in Unicode codiert.

Die derzeitige Unicode-Version 2.0 unterstützt theoretische 1.114.112 Zeichen, wovon aber nur 109.242 bislang enthalten sind. Das vorliegende, sehr dicke Buch bietet Interessierten einen fantastischen Einblick in die Schriften dieser Welt. Das erste Kapitel befasst sich mit Unicode, seiner Entstehung, Struktur und Aufbau der Code-Tabellen, dem Aufnahmeverfahren für neue Zeichen, den verschiedenen Arten von Worten und Lauten, Typographie in der Politik, Keyboard-Layouts, Minderheiten-Schriften bis hin zu moderner Eingabe z. B. über das iPhone.

Auf den folgenden vielen hundert Seiten sind alle Zeichen aufgelistet, jeweils mit ihrem Code, ihrem Sprachnamen und der verwendeten Schriftart. Im Anhang finden sich zu jeder Schrift ausführliche Statistiken über Entstehung, Quellen, Zeitraum der Entstehung, Status, Region, Sprachen, Schriftrichtung, Schrifttyp und Anzahl der Menschen, die diese verwenden. Dort befinden sich auch die Sprachen, die noch nicht enthalten sind, denen aber Platz eingeräumt wurde, z. B. die Aztekischen Piktogramme, diverse afrikanische Sprachen, einige bislang nicht entzifferte, historische Sprachen oder auch Fantasiesprachen, wie die von J. R. R. Tolkien entwickelte Cirth. Das Buch ist mit zwei farbigen Lesezeichen (blau/grün) ausgestattet, so dass man immer zwischen den Zeichen und der ausführlichen Erklärung im Anhang wechseln kann.

Besonders schön ist, dass ca. alle 5-10 Seiten eine farbige Doppelseite eingefügt ist, auf der die Autoren besonders schöne oder interessante Schriftzeichen vorstellen. Dieses Buch zeigt die Kreativität und Schönheit der Schriften vieler, verschiedener Völker und ist wunderbar geeignet, einfach hin- und wieder darin zu blättern.

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