Die Gestaltung meines neuen Logos

Stefan Imhoff

Da ein Logo zu den wesentlichen Elementen gehört, an denen eine Website wiedererkannt wird, wollte ich von Anfang an ein Logo gestalten, das thematisch zum restlichen Design der Seite passt.

Zwar bin ich der Meinung, dass eine Privatperson kein Logo benötigt, aber ohne ein Logo fehlt ein schönes visuelles Element, das später an allen möglichen Stellen, z. B. beim Favicon benötigt wird.

Für mich stand schon relativ früh fest, dass ich ein Rakkan anstelle eines modernen Logos verwenden wollte.

Rakkan

Ein Rakkan (oder Hanko) wird in Japan ein Siegel genannt, das meist in Stein geschnitzt, die Signatur eines Künstler darstellt und von diesem unter die Werke gestempelt wird, und damit wie eine Unterschrift funktioniert.

Rakkan unter mit Tinte geschriebenem Schriftzeichen
Abdruck meines Rakkan unter einem von mir geschriebenem Symbol für 忍 (Shinobi).

Auch schon bei meinem Kampfkunst-Portal verwende ich als Logo ein solches Siegel, nur dort war die Vorlage für dieses Logo damals mein wirkliches Siegel, das ich bei einem Künstler in Auftrag gegeben hatte.

Recherche

Bevor ich mit der Gestaltung meines neuen Siegel beginnen konnte, musste ich zuerst Recherche betreiben. Dafür habe ich mir bei einer großen Anzahl von Werken historische Stempelabdrücke angesehen und deren Stil und Merkmale studiert.

Die meisten Stempel benutzen mehrere Zeichen, oft vier oder sogar mehr. Es gibt sie in allen Formen, wobei die eckige Form die häufigste zu sein scheint.

Als nächstes galt es, die passende Schriftart auszuwählen. Als Schrift wählen die meisten Künstler die Kleine Siegelschrift, die vom chinesischen Kaiser Qin Shi Huang vor ca. 2200 Jahren eingeführt wurde.

Exkurs in Chinesische Schriften

Erste chinesischen Schriftzeichen wurden vor 6000 Jahren auf Tonscherben gekratzt. Die so genannte Orakelschrift wurde vor 3400 Jahren während der Shang-Dynastie entwickelt und diente zur Weissagung mit Tierknochen-Orakel.

Als die Bronzegusstechnik um das 11. Jahrhundert v. Chr. entwickelt wurde entstand die Bronzeschrift, die benutzt wurde, um damit Texte für Politik, Handel, Militär, Verwaltung und Orakel zu schreiben.

Zur Zeit der Streitenden Reiche (475-221 v. Chr.) wurden Pinsel und Tinte erfunden und damit auf Bambus, Holz und Seide geschrieben.

Doch gab es viele verschiedene Schreibweisen der Zeichen, was für Austausch und Handel nicht förderlich war. König Zhou Xuanwang versuchte dieses Problem durch die Große Siegelschrift zu lösen, was ihm aber nicht gelang. Erst als Kaiser Qin Shin Huang das Reich 221 v. Chr. einte, befahl er eine einheitliche Schrift. Kanzler Li Si beseitigte Zeichen und verringerte Striche und begründete damit die Kleine Siegelschrift.

Die kleine Siegelschrift ist zwar durch ihre geschwungenen Striche schön, aber war im täglichen Gebrauch zu umständlich zu schreiben. Zu Beginn der Han-Dynastie kam die Kanzleischrift auf, die viel geradere Striche hatte und somit einfacher und schneller zu schreiben war. Viele Zeichen wurden durch diese Schrift weiter abstrahiert.

Ebenfalls zur gleichen Zeit entstand die Konzeptschrift, die auch Grasschrift genannt wird. Sie wurde für den privaten Schriftverkehr verwendet, aber auch vom einfachen Volk geschrieben. Bei dieser Schrift sind die Striche häufig verbunden, so dass es oft aussieht, als wäre der Pinsel nicht vom Papier abgehoben worden.

Im 2. Jahrhundert n. Chr. entwickelten Schreiber, die weder die Konzept- oder Kanzleischrift mochten, die Regelschrift.

Zum Ende der Han-Dynastie entwickelte sich neben der Grasschrift auch noch ein weiterer Stil für den privaten Gebrauch: die [Kursivschrift](https://de.wikipedia.org/wiki/Kursivschrift_(Chinesisch)).

Die nächste signifikante Änderung fand erst 1956 statt, als die Regierung die Schrift vereinfachte. Es wurden dabei über 1000 Zeichen gestrichen und bei rund 2200 Zeichen die Strichzahl verringert. Dies sollte zu einer besseren Alphabetisierung der Bevölkerung führen.

Die Bedeutung der Schriftzeichen auf meinem Rakkan

Für mein neues Rakkan habe ich die Schriftzeichen meines alten Rakkan übernommen und dann noch zwei weitere Schriftzeichen hinzugefügt. Das alte Zeichen enthält die Schriftzeichen 木隠 (kogakure), was nicht nur der Name meines Kampfkunst-Portals ist, sondern auch seit vielen Jahren mein Pseudonym im Internet. Übersetzt bedeutet es Versteckt hinter Bäumen und Blättern.

Die zwei neuen Zeichen links daneben bedeuten 草 (Grass) und 刀 (Klinge) in der kleinen Siegelschrift. Die Zeichen ermöglichen zahlreiche Deutungs- und Interpretationsmöglichkeiten, auf die ich hier nicht näher eingehe, um niemanden zu langweilen.

Ein solches Siegel lässt sich in zwei verschiedene Varianten erstellen: Yin oder Yang (☯). Bei der Yin-Variante (wie ich es auf kogakure.de habe), werden nur die Buchstaben aus dem Stein geschnitzt, die Fläche bleibt bestehen. Dieses Mal wollte ich ein Rakkan in der Yang-Variante erstellen, bei der alles weggeschnitten wird, bis auf die Buchstaben (und einen Rand).

Die Erstellung des Rakkan

Zuerst fertigte ich zahlreiche Bleistiftzeichnungen an, erst von einzelnen Zeichen, die mir gefielen, später von Kombinationen. Ich überlegte mir, wie ein Künstler einen traditionellen Stempel schnitzen würde, wie die Buchstaben sich berühren und stützen, um dem Siegel die nötige Stabilität zu geben.

Moleskine mit Bleistiftzeichnungen von Schriftzeichen
Doppelseite aus meinem Moleskine mit Bleistiftzeichnungen verschiedener Zeichen.

Nachdem ich meine finale Variante entwickelt hatte, zeichnete ich die Bleistiftlinien mit einem sehr dicken Textmarker nach (nicht ohne dabei fast meinen Bambustisch zu ruinieren, da ich natürlich aus Faulheit auf eine Unterlage verzichtete). Die Struktur, die entsteht, wenn Tinte sich im Papier ausbreitet sah einer in Stein geschnitzten Kante sehr ähnlich.

Im nächsten Schritt habe ich das Rakkan dann digitalisiert und in Adobe Photoshop leicht korrigiert, um unschöne Teile zu entfernen oder die Linienführung etwas zu verbessern.

Um aus diesem Pixelbild eine Vektorform zu erstellen, importierte ich das Bild in Adobe Illustrator und wandelte es in eine Vektorform um, reduzierte danach die Anzahl der Vektorpunkte und exportierte das ganze als SVG-Datei.

Um mein Logo als Vektorfont auf der Seite zu verwendet, habe ich Font Custom verwendet, mit dem sich SVG-Grafiken in Webfonts umwandeln lassen. So werden mehrere Vektor-Grafiken als einzelne Schriftzeichen in einer Font-Datei zusammengefasst. Sobald die Schriftart geladen ist, können die Icons dann in jeder beliebigen Größe angezeigt werden und mit CSS beliebig gestylt werden.

Die Schrift

Jetzt lässt sich das Rakkan als Schriftzeichen verwenden und einfach über ein CSS-Klassen-Attribut an einem beliebigen Element erzeugen. Dann kann das Zeichen nach Belieben eingefärbt werden und eine gewünschte Schriftgröße oder Texteffekte (wie z. B. eine Schattenkante) bekommen.

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